Niacinamid bei Rosacea – für viele ein Hoffnungsträger in der Hautpflege, für andere eine Quelle von Unsicherheit. Der Wirkstoff ist in zahlreichen Produkten zu finden und wird oft als sanft, entzündungshemmend und barrierestärkend beworben.
Gerade bei empfindlicher Haut mit Rötungen und Reizungen klingt das vielversprechend. Doch wie gut ist Niacinamid bei Rosacea wirklich verträglich? Und worauf sollte man achten, um unerwünschte Reaktionen zu vermeiden?
Was ist Niacinamid?
Niacinamid, auch bekannt als Vitamin B3, ist ein Derivat von Vitamin B3. Es ist ein essentielles wasserlösliches Vitamin, das eine wichtige Rolle bei der Erhaltung unserer Hautgesundheit spielt.
Niacinamid ist mittlerweile ein echter Klassiker in der Hautpflege. Und das aus gutem Grund: Der Wirkstoff kann die Hautbarriere stärken, Rötungen mildern, den Feuchtigkeitshaushalt verbessern und sogar die Talgproduktion regulieren. Gerade für empfindliche Haut mit Rosacea klingt das wie ein kleiner Hautpflege-Traum – oder?
Welche Wirkung hat Niacinamid auf die Haut?
Im Gegensatz zu Hyaluronsäure, die Feuchtigkeit in der Haut bindet, indem sie Wasser aus der Umgebung anzieht, wirkt Niacinamid von innen heraus stabilisierend. Es unterstützt die Hautzellen dabei, mehr Ceramide und freie Fettsäuren zu bilden, die für eine gesunde, widerstandsfähige Hautbarriere essenziell sind. Diese Barriere ist bei Rosacea oft gestört – was dazu führt, dass Reize schneller in die Haut eindringen und sie leichter gereizt reagiert.
Außerdem konnte in Studien gezeigt werden, dass Niacinamid den transepidermalen Wasserverlust (TEWL) (⁴) verringert – also hilft, dass die Haut weniger Feuchtigkeit verliert. Das allein sorgt schon für mehr Ruhe und weniger Spannungsgefühle, gerade bei trockener oder gereizter Haut.
Ein weiterer Pluspunkt: Niacinamid wirkt auch entzündungshemmend (⁴). Es reduziert kleine Mikroentzündungen, die bei Rosacea häufig unter der Oberfläche schlummern – selbst wenn sie nicht immer sichtbar sind.
Und falls deine Haut, wie meine, schnell ölig wird oder zu kleinen Unreinheiten neigt (was bei Rosacea durchaus vorkommt), kann Niacinamid zusätzlich talgregulierend (⁴) wirken, ohne dabei auszutrocknen. Der Wirkstoff wird deshalb auch häufig bei Akne-Behandlungen eingesetzt. Durch die geregelte Sebumproduktion, verstopfen die Hautporen weniger. Dadurch entsteht der Effekt von verkleinerten Poren und eines ebenmäßigeres Hautbild.
Neben seinen entzündungshemmenden und barrierestärkenden Eigenschaften bietet Niacinamid auch deutliche Vorteile im Bereich Anti-Aging – was für viele Rosacea-Betroffene interessant ist, da reife Haut häufig zusätzlich empfindlich reagiert.
In einer klinischen Studie von Bissett et al. (2005) (³) wurde gezeigt, dass die tägliche Anwendung von 5 % Niacinamid über 12 Wochen zu einer sichtbaren Reduktion feiner Linien, Pigmentflecken, Rötungen und fahler Haut führte. Zudem verbesserte sich nachweislich die Elastizität der Haut (wichtig u.a. bei vergrößerten Poren!).
Für Menschen mit Rosacea, die Anti-Aging-Pflege nur eingeschränkt vertragen, kann Niacinamid somit eine verträgliche Alternative zu reizintensiven Wirkstoffen wie Retinol darstellen.

Verträglichkeit – Kann Niacinamid Rosacea verschlimmern?
Auch wenn Niacinamid für viele Rosacea-Betroffene ein echter Hautretter ist, verträgt nicht jede Haut den Wirkstoff sofort oder in jeder Konzentration. Gerade bei empfindlicher oder stark entzündeter Haut kann es anfangs zu leichten Reaktionen kommen – etwa in Form von Spannungsgefühl, Kribbeln oder Rötungen nach dem Auftragen.
Solche Reaktionen bedeuten aber nicht automatisch, dass du Niacinamid grundsätzlich meiden solltest. Häufig liegt es an einer zu hohen Konzentration oder an reizenden Inhaltsstoffen im Produkt.
Für empfindliche Rosacea-Haut gilt
- 2–5 % Niacinamid gelten als optimal (¹).
- Ab 2% hat Niacinamide eine feuchtigkeitsspendende Wirkung.
- Ab mindestens 3 % können laut Studien eine spürbare Stärkung der Hautbarriere, eine Reduktion von Rötungen und eine Regulierung der Talgproduktion erreicht werden (²).
- Höhere Konzentrationen (ab 5 %) bieten nicht zwingend mehr Nutzen – können aber das Risiko für Irritationen erhöhen.
- Reizarme Formulierungen: ohne Duftstoffe, ohne Alkohol, ohne zusätzliche Säuren sind generell besser verträglich.
Ein sanfter Einstieg ist empfehlenswert: Beginne mit einer Anwendung einmal täglich oder jeden zweiten Tag. Wenn deine Haut gut reagiert, kannst du langsam steigern.
Verkapseltes Niacinamid – sanfter und gezielter wirksam
Wenn du besonders gezielt gegen Entzündungen vorgehen möchtest, kann verkapseltes Niacinamid eine sinnvolle Alternative sein. Dabei wird der Wirkstoff in winzige Lipidbläschen (z. B. Liposomen) verpackt, die in ihrer Struktur der menschlichen Zellmembran ähneln. Diese Verkapselung hilft dem Niacinamid dabei, tiefer in die Haut einzudringen und dort zu wirken, wo die Entzündung entsteht.
Das hat gleich mehrere Vorteile:- Gezielte Wirkung: Der Wirkstoff wird kontrollierter freigesetzt und reizt das umliegende Gewebe weniger.
- Bessere Verträglichkeit: Es werden keine zusätzlichen Penetrationsverstärker wie Alkohol oder Säuren benötigt – ideal bei empfindlicher Haut.
- Effizientere Wirkung: Schon eine niedrige Konzentration von 3–5 % kann ausreichen, um sichtbare Effekte zu erzielen.
Als Verbraucher kann man leider nicht immer sofort erkennen, ob ein verkapseltes Niacinamid enthalten ist. Hinweise auf der Verpackung oder im Text wie „verkapselt“, „encapsulated“, „liposomal“, „Nanoemulsion“, „Vesicle-Technologie“ oder „Slow Release“ deuten auf aber eine verkapselte Form hin.
In der INCI-Liste könnten Begriffe wie „Lecithin“, „Hydrogenated Lecithin“, „Liposomes“ oder „Phospholipids“ auftauchen – das sind typische Bestandteile von Liposomen, welche die Verkapselung ermöglichen.
Gerade für Rosacea-Betroffene kann das ein echter Vorteil sein – vor allem, wenn bisherige Produkte mit Niacinamid zu Reizungen geführt haben.

Gute & weniger gute Wirkstoffkombinationen mit Niacinamid
Niacinamid lässt sich mit vielen Wirkstoffen gut kombinieren – gerade in der Rosacea-Pflege lohnt sich ein genauer Blick auf die Inhaltsstoffe.
Besonders geeignet sind Kombinationen mit:
- Panthenol: beruhigt die Haut zusätzlich und unterstützt die Regeneration.
- Hyaluronsäure: spendet intensiv Feuchtigkeit, ohne zu reizen.
- Ceramide: stärken gemeinsam mit Niacinamid die Hautbarriere.
- Allantoin: wirkt reizlindernd und ergänzt die entzündungshemmende Wirkung von Niacinamid.
Tipp: Feuchtigkeitbindende Wirkstoffe wie Hyaluronsäure, Glyzerin etc. solltest du immer auf die angefeuchtete Haut auftragen. Damit die Feuchtigkeit in der Haut verbleibt und nicht ihr entzogen wird.
Vorsicht dagegen bei Kombinationen mit:
- Vitamin C: in hohen Konzentrationen: kann in Kombination mit Niacinamid zu Irritationen führen – besser zeitlich getrennt anwenden.
- Fruchtsäuren (AHA/BHA): können die Haut zusätzlich reizen – lieber nicht zusammen in einer Pflegeroutine verwenden.
- Alkohol, Duftstoffe und ätherische Öle: erhöhen das Risiko für Irritationen bei Rosacea-Haut deutlich.
Niacinamid-Alternativen bei Rosacea
- Panthenol: beruhigt, spendet Feuchtigkeit und stärkt die Hautbarriere.
- Allantoin: reizlindernd, regenerierend und sehr gut verträglich.
- Azelainsäure: medizinisch bewährt bei Rosacea – wirkt entzündungshemmend, antibakteriell und talgregulierend (anfangs mit Vorsicht anwenden).
- Ectoin: ein relativ neuer Wirkstoff mit zellschützendem Effekt, sehr gut verträglich und feuchtigkeitsspendend.
Diese Alternativen können entweder allein oder in Kombination mit anderen sanften Pflegebestandteilen verwendet werden. Wichtig bleibt: Weniger ist oft mehr – gerade bei Rosacea.
Fazit – Ist Niacinamid bei Rosacea geeignet?
Niacinamid ist ein vielseitiger Wirkstoff, der bei vielen Rosacea-Betroffenen gut vertragen wird – vorausgesetzt, Konzentration und Formulierung passen zur individuellen Hautbedürfnissen. Die positiven Effekte auf Hautbarriere, Entzündungen und Sebumregulation sind wissenschaftlich belegt – und machen Niacinamid zu einer wertvollen Option in der Rosacea-Pflege.
Aber: Nicht jede Haut reagiert gleich. Wer vorsichtig einsteigt, niedrig dosiert beginnt und auf reizarme Produkte achtet, hat gute Chancen, von den Vorteilen zu profitieren – ohne unerwünschte Nebenwirkungen.
Kurz beantwortet
Kann ich Niacinamid täglich verwenden?
Ja, bei guter Verträglichkeit kannst du Niacinamid einmal oder zweimal täglich verwenden. Starte aber besser langsam.
Wie lange dauert es, bis Niacinamid wirkt?
Erste Verbesserungen zeigen sich oft nach 2–4 Wochen. Für deutlich sichtbare Veränderungen solltest du 8–12 Wochen einplanen.
Welche Konzentration ist bei Rosacea ideal?
Zwischen 2 % und 5 % – ab 3 % werden positive Effekte auf Barriere, Rötung und Talgproduktion beobachtet.
Was tun, wenn meine Haut mit Rötung oder Brennen reagiert?
Anwendung pausieren und beobachten. Wenn die Haut sich beruhigt, erneut mit geringerer Menge und seltener Anwendung starten.
Was kann ich verwenden, wenn ich Niacinamid nicht vertrage?
Panthenol, Allantoin oder Ectoin sind milde Alternativen. Auch Azelainsäure ist bei Rosacea wirksam – am besten mit ärztlicher Rücksprache.
Quellen
(¹) Draelos, Z. D. (2006). The effect of niacinamide on reducing cutaneous pigmentation and suppression of melanogenesis. Journal of Cosmetic and Laser Therapy, 8(2), 96–101.
(²) Soma, Y., Kashima, M., & Imaizumi, A. (2005). Topical application of niacinamide increases ceramide and free fatty acid levels in the stratum corneum and decreases transepidermal water loss in dry skin.
International Journal of Dermatology, 44(3), 197–202.
(³) Bissett DL, Oblong JE, Berge CA. Niacinamide: A B vitamin that improves aging facial skin appearance. Dermatol Surg. 2005 Jul;31(7 Pt 2):860-5; discussion 865. doi: 10.1111/j.1524-4725.2005.31732. PMID: 16029679.
(⁴) Gehring W. Nicotinic acid/niacinamide and the skin. J Cosmet Dermatol. 2004 Apr;3(2):88-93. doi: 10.1111/j.1473-2130.2004.00115.x. PMID: 17147561.