Destilliertes Wasser kann bei Rosacea hilfreich sein, weil es frei von Kalk, Chlor und anderen reizenden Stoffen ist, die in Leitungswasser enthalten sein können. Diese Substanzen können die empfindliche Haut unnötig reizen und Rötungen verstärken. Darüber hinaus hat es einen niedrigeren PH-Wert als „normales“ Wasser und ist näher an dem PH-Wert unserer Haut. Da destilliertes Wasser keinerlei Rückstände hinterlässt, unterstützt es eine besonders sanfte Reinigung und kann helfen, Irritationen zu minimieren. In diesem Artikel erfährst du, warum die Reinigung mit destilliertem Wasser eine sinnvolle Option für Rosacea-Betroffene sein kann und wie du es in deine Pflegeroutine integrierst.
Was ist destilliertes Wasser?
Destilliertes Wasser ist dasWasser, das durch Destillation und einschließendes Kondensieren des normalen Wassers entsteht. Durch das thermische Verfahren wird das Leitungswasser weitestgehend frei von Kalk, Salzen, organischen Stoffen und Mikroorganismen. Dabei spricht man vom Reinsten Wasser, dessen Benutzung durch DIN 43530 & VDE 0510 genormt ist.
Aufgrund des hohen Energieverbrauchs des Destillationsprozesses ist im Handel oft das so genannte demineralisierte Wasser zu finden. Es wird durch weniger aufwendige chemische Prozesse wie der Umkehrosmose oder mit Hilfe von Ionenaustauschern hergestellt.
Warum destilliertes Wasser zur Reinigung bei Rosacea verwenden?
PH-Wert des destillierten Wassers
Wenn du wie ich nach dem Waschen des Gesichts mit normalen Leitungswasser Spannungsgefühle und Brennen verspürst, könnte die Reinigung mit destilliertem Wasser eine Alternative für dich sein.
Denn das handelsübliche destillierte Wasser enthält im Vergleich zum Leitungswasser weniger Zusatzstoffe, welche die empfindliche Rosacea-Haut reizen können. Außerdem hat es schon kurze Zeit nach der Herstellung einen PH-Wert von 4,5-5. Es ist also leicht säuerlich und damit ähnlicher dem PH-Wert des Säureschutzmantels unserer Haut (PH-Wert: 5,5).
PH-Wert zeigt den Säuregrad einer Flüssigkeit an, wobei die Werte zwischen 0 und 14 liegen. Bei einem PH-Wert <7 ist eine Lösung sauer, bei den Werten >7 handelt es sich um alkalische Flüssigkeit. PH-Wert 7 ist neutral.
Der Säureschutzmantel schützt die Haut vor dem Austrocknen und äußeren Einflüssen. Bei Rosacea ist diese Schutzbarriere bekanntermaßen schwach und durchlässig, was die Haut empfindlicher gegenüber äußeren Einflüssen macht. Häufiges Waschen mit normalem Wasser mit einem PH-Wert zwischen 7,0 und 8,5, also neutral oder leicht alkalisch, kann dazu führen, dass der PH-Wert der Haut steigt. Durch Verwendung von Seife kann dieser Effekt weiter verstärkt werden. Während gesunde Haut den Säuregehalt auf der Hautoberfläche nach kurzer Zeit wieder reguliert, schafft Rosacea-Haut es nicht, die ohnehin gestörte Barriere aufzubauen.
Nach der Trinkwasserverordnung muss das Trinkwasser aus der Leitung einen PH Wert zwischen 6,5 und 9,5 besitzen. Ein niedrigerer Wert kann Metallionen aus der Leitungswand lösen, die das Trinkwasser verschmutzen können.
Da liegt es also nahe, dass das leicht säuerliche destillierte Wasser besser zur Reinigung bei Rosacea geeignet ist. Dieses wurde mir auch schon von einigen Lesern bestätigt. Es stimmt übrigens überhaupt nicht, dass das destillierte Wasser die Hautzellen zum Platzen bringt. Dies ist eher beim Trinken des aufbereiteten Wasser in großer Menge und in kurzer Zeit zu beobachten. Weshalb man allgemein zum Trinken normales Leitungswasser oder Mineralwasser empfiehlt.
Übersicht pH-Werte verschiedener Flüssigkeiten im Vergleich:
Flüssigkeit | pH-Wert |
---|---|
Magensaft | 0,9 – 1,5 |
Zitronensaft | 2,3 |
Coca Cola | 2,5 |
Sauermilch | 4,4 |
Harn | 4,8 – 7,4 |
Regenwasser (durch gelöste Kohlensäure) | 5,5 – 5,8 |
Milch | 6,4 – 6,7 |
Menschliches Blut | 7,38 |
Meerwasser | 7,8 – 8,2 |
Darmsaft | 8,3 |
Seife | 9,5 |
Kalk | 12 |
Wasserhärte des destillierten Wassers
Neben dem PH-Wert kann vor allem der Kalk im Wasser unserer Rosacea-Haut schaden. Denn er trocknet die Haut aus, weshalb sich z.B. Schuppen und Risse bilden können wodurch das Entstehen von diversen Hautkrankheiten gefördert wird. Spannungsgefühl und Juckreiz sind oft die ersten Hinweise darauf, dass etwas nicht passt.
Wissenschaftler der Nottingham-Universität in einer Studie festgestellt, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Kalk und Ekzemen besteht. (Quelle: The Journal of Allergy and clinical Immunology).
Je nach Region kann das Trinkwasser viel oder wenig Kalk enthalten. So spricht man allgemein vom hartem bzw. weichen Wasser.
Wasserhärte gibt die Stoffmengenkonzentration von Magnesium-, Kalzium-, Barium- und Strontiumionen in der Wasserprobe an. Fachleute unterscheiden dabei zwischen der permanenten und der temporären Wasserhärte. Für die Bestimmung der permanenten (Nichtkarbonathärte) Wasserhärte sind zwei Salze, Magnesium- und Kalziumsulfat, die auch nach dem Erhitzen im Wasser gelöst bleiben, maßgeblich.
Der pH-Wert von Wasser steht in direktem Zusammenhang mit der Karbonathärte (vorübergehende Härte) des Wassers. Niedrige Karbonathärte = niedriger pH-Wert (= saures Wasser, pH < 7)
Hohe Karbonathärte = hoher pH-Wert (= alkalisches Wasser, pH > 7)
Einteilung in drei Härtebereiche
Härtebereich | Calciumcarbonat | Grad deutscher Härte |
---|---|---|
weich | weniger als 1,5 mmol/l | weniger als 8,4°dH |
mittel | 1,5 bis 2,5 mmol/l | 8,4 bis 14°dH |
hart | mehr als 2,5 mmol/l | mehr als 14°dH |
Demnach ist das destillierte Wasser auch in dieser Hinsicht sanfter zur Haut, da es durch die Destillation entkalkt ist. Es trocknet also weniger bzw. gar nicht aus. Im Vergleich ist es also besser für Reinigung bei Rosacea geeignet.
Wie viel Kalk das Trinkwasser an deinem Wohnort enthält, kannst du bei dem örtlichen Versorger erfragen.
Wasser selber entkalken – Welche Methoden gibt es?
Wer sein Wasser weicher machen oder zumindest einen Teil des Kalks entfernen möchte, kann dies mit einfachen Mitteln zu Hause tun. Eine der gängigsten Methoden ist das Abkochen des Wassers. Dabei setzt sich ein Teil der im Wasser gelösten Mineralstoffe, insbesondere Calcium und Magnesium, als Kalk ab. Allerdings wird dabei nur eine begrenzte Menge des Kalks herausgefiltert, sodass das Wasser je nach Ausgangshärte nicht vollständig entkalkt wird. Um ein spürbar weicheres Wasser zu erhalten, kann es notwendig sein, den Vorgang mehrfach zu wiederholen. Diese Methode ist jedoch energieintensiv und daher nicht unbedingt effizient.
Eine alternative Möglichkeit zur Entkalkung besteht darin, eine kleine Menge Natron* ins Wasser zu geben und es anschließend aufzukochen. Das Natron reagiert mit den im Wasser enthaltenen Mineralien, insbesondere Calcium, und bildet eine andere chemische Verbindung, wodurch sich kein klassischer Kalk absetzt. Nach dem Abkühlen empfiehlt es sich, das Wasser zusätzlich durch einen Kaffeefilter zu gießen, um eventuelle Rückstände zu entfernen.
Wichtig zu beachten ist jedoch, dass beide Methoden das Wasser nicht vollständig von allen Mineralien und anderen Stoffen befreien. Das Ergebnis ist daher kein destilliertes Wasser, sondern lediglich ein weicheres Wasser, das weniger Kalk enthält. Wer tatsächlich reines, mineralstofffreies Wasser benötigt, sollte auf destilliertes Wasser aus dem Handel oder spezielle Destillationsverfahren zurückgreifen.
Durch das einmalige Abkochen entsteht kein destilliertes Wasser! Mineralien und Teil des Kalkes bleiben weiterhin im Wasser.
Wie kann ich destilliertes Wasser selbst herstellen
Destilliertes oder demineralisiertes Wasser ist in Drogerien, Apotheken oder Supermärkten bereits für wenig Geld erhältlich. Daher lohnt es sich in den meisten Fällen nicht, es selbst herzustellen, da der Prozess vergleichsweise zeitaufwendig ist und mehr Energie verbraucht als der Kauf einer fertigen Flasche.
Dennoch gibt es Situationen, in denen es sinnvoll sein kann, destilliertes Wasser selbst zu gewinnen – zum Beispiel, wenn man es gerade nicht zur Hand hat oder den Prozess einfach ausprobieren möchte. Die Herstellung erfordert lediglich einige haushaltsübliche Utensilien und funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Verdunstung und Kondensation.
Destilliertes Wasser selber machen
Was du benötigst:
✔ Einen großen Kochtopf mit Deckel
✔ Zwei hitzebeständige Glasschüsseln (eine kleinere und eine größere)
✔ Wasser
✔ Eiswürfel (optional, aber hilfreich zur Beschleunigung des Prozesses)
So gehst du vor:
- Vorbereitung: Stelle eine der Glasschüsseln umgedreht in den Kochtopf, sodass sie eine erhöhte Plattform bildet.
- Zweite Schüssel platzieren: Stelle die zweite, kleinere Glasschüssel auf die umgedrehte Schüssel. Diese dient als Auffangbehälter für das kondensierte Wasser.
- Wasser hinzufügen: Gieße so viel Wasser in den Topf, dass der Boden bedeckt ist, aber nicht in die obere Schüssel gelangt.
- Deckel umgedreht auflegen: Setze den Deckel verkehrt herum auf den Topf. Durch die Wölbung nach innen kann das kondensierte Wasser besser in die darunterliegende Schüssel tropfen.
- Wasser erhitzen: Stelle den Herd auf eine mittlere Hitze und bringe das Wasser langsam zum Köcheln. Es soll nicht sprudelnd kochen, sondern sanft dampfen.
- Kondensation beschleunigen: Um den Destillationsprozess zu optimieren, kannst du einige Eiswürfel auf den umgedrehten Topfdeckel legen. Die Kälte fördert die Kondensation des Wasserdampfes, sodass mehr Flüssigkeit schneller in die Schüssel tropft.
- Wasser sammeln: Sobald sich eine ausreichende Menge Kondenswasser in der Schüssel angesammelt hat, nimm den Topf vorsichtig vom Herd.
- Abkühlen lassen: Warte, bis das Wasser vollständig abgekühlt ist, bevor du es umfüllst.
- Keimfrei aufbewahren: Um die Haltbarkeit zu verlängern und Verunreinigungen zu vermeiden, fülle das destillierte Wasser in ein zuvor abgekochtes, sauberes Glasgefäß mit Deckel.
Tipp: Falls du eine größere Menge benötigst, kannst du den Vorgang mehrmals wiederholen oder eine größere Auffangschüssel verwenden.
Du kannst das destillierte Wasser auch als Gesichtswasser in deiner Pflegeroutine einsetzen oder als Wasserspray zur Abkühlung an den heißen Tagen nutzen.
Fazit: Das destillierte Wasser kann auf jeden Fall super für die Reinigung bei Rosacea sein. Es kann dir helfen, deine Hautbarriere zu schonen oder sogar langfristig aufzubauen. Der Nachteil des destillierten Wassers ist, dass es auch wie normales Wasser nicht die Fette auf der Haut löst. Daher kann sehr fettige Haut allein durch Wasser nicht von überschüssigem Talg befreit werden. In meiner persönlichen Routine greife ich daher zu einem Milden Gesichtsreiniger und nutze anschließend einen Toner oder ich reinige mein Gesicht nur mit einem Mizellenwasser. Wenn du mehr darüber wissen willst, lass es mich gerne in einem Kommentar wissen.
Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
Ich benutze seit März 2020 ausschließlich nur noch destilliertes Wasser und 1x Waschlappen…. funktioniert perfekt. Wir haben hier aber auch mega hartes Wasser… toll für die Haare, schlecht für den Körper. LG.
Schön zu hören, dass damit deine Lösung gefunden hast :)
Liebe Grüße